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OpenAI baut einen Einbrecher für die Verteidigung, Agenten lernen Geduld

GPT-6 Cyber: Ein Einbruchsweg in den Linux-Kern kostet jetzt rund 1.279 Dollar OpenAI hat am 5. November GPT-6 Cyber vorgestellt. Das Modell ist gezielt darauf trainiert, Sicherheitslücken in Software zu finden, funktionierende Angriffe dafür zu bauen und Repa

KI & Mittelstand

GPT-6 Cyber: Ein Einbruchsweg in den Linux-Kern kostet jetzt rund 1.279 Dollar OpenAI hat am 5. November GPT-6 Cyber vorgestellt. Das Modell ist gezielt darauf trainiert, Sicherheitslücken in Software zu finden, funktionierende Angriffe dafür zu bauen und Reparaturen vorzuschlagen. Die Zahlen aus dem Linux-Kern, dem Herzstück der meisten Server, sind beachtlich. Agenten auf Basis des Modells haben 1.724 Schwachstellen nachgestellt und für 948 davon einen funktionierenden Angriff entwickelt, laut The Register waren 588 davon bislang unbekannt. 304 kritische Funde gingen samt Reparaturvorschlag an die Entwickler:innen des Kerns. Der Vorgänger schaffte unter gleichen Bedingungen 166 Angriffe. Im Browser Firefox fand das Modell nach OpenAI-Angaben 81 unbekannte schwere Lücken. Mozilla hat mit Firefox 159 bereits 41 schwerwiegende Fehler geschlossen, die es Mitarbeitenden und Werkzeugen von OpenAI zuschreibt. Die Rechenkosten für den Kern-Test lagen bei rund 1,2 Millionen Dollar, also etwa 1.279 Dollar pro Angriff. Bei Hacker-Wettbewerben wie Pwn2Own werden für vergleichbare Funde 20.000 bis 70.000 Dollar gezahlt. Zugang bekommen vorerst nur ausgewählte, geprüfte Kunden aus OpenAIs Sicherheitsprogramm Daybreak Red, zu 20 Dollar pro Million Token Eingabe und 100 Dollar pro Million Token Ausgabe. Token sind die Textbausteine, nach denen KI-Anbieter abrechnen. Alle Leistungswerte stammen von OpenAI selbst, unabhängige Tests gibt es noch nicht. Ich halte die Kostenzahl für die wichtigste Meldung der Woche. Wenn ein Einbruchsweg in den Linux-Kern zum Preis eines Laptops zu haben ist, bleibt diese Fähigkeit nicht lange bei den Verteidigern. Offene Modelle, die jeder herunterladen kann, liegen laut dem Forschungsinstitut Epoch AI bei Cyberfähigkeiten sechs bis sieben Monate hinter den geschlossenen. Für Unternehmen heißt das, dass die Zahl der Sicherheitsupdates steigt und die Zeit zwischen Patch und erstem Angriff schrumpft. Firefox 159 allein enthielt 167 einzeln gemeldete Lücken. Wer Updates noch im Monatsrhythmus einspielt, ist zu langsam.

Agentenbuilding

Wer Workflows an fremde Schnittstellen hängt, stößt irgendwann an deren Grenzen. Fast jeder Anbieter legt fest, wie viele Anfragen pro Minute ein Kunde schicken darf. Wird die Grenze überschritten, lehnt die Schnittstelle ab, meist mit dem Fehlercode 429, oder sie bremst und antwortet spürbar langsamer. n8n beschreibt in einem Beitrag vom 30. Oktober, wie Automationen damit umgehen sollten. Die Regeln gelten für Make, Zapier oder selbst gebaute Agenten genauso. Der wichtigste Rat betrifft den zweiten Versuch. Wer nach einer Ablehnung sofort erneut anfragt, läuft gegen dieselbe Grenze. Besser ist ein wachsender Abstand, etwa 1, 2, 4 und 8 Sekunden, mit einer Obergrenze für Wartezeit und Versuche. Fachleute nennen das exponentielles Backoff. Dazu kommt eine kleine Zufallsverzögerung, damit zehn gleichzeitig gescheiterte Abläufe nicht wieder im selben Moment anklopfen. Schickt der Anbieter im Feld Retry-After mit, wann es weitergehen darf, hat diese Angabe Vorrang. Zwei Einschränkungen machen den Beitrag wertvoll. Automatisch wiederholt werden sollte nur, was sich gefahrlos doppelt ausführen lässt. Eine doppelte Abfrage schadet nicht, eine doppelt angelegte Rechnung schon. Außerdem gilt: Das Tempo wird vorab gedrosselt, Wiederholungen sind nur das Sicherheitsnetz. In n8n gelingt das mit Stapeln samt Pause im HTTP-Request-Knoten, mit Wait-Knoten in Schleifen und mit einer Begrenzung paralleler Ausführungen.

Wissenschaft & Studien

Agility Robotics ist seit dem 5. November an der Nasdaq notiert, unter dem Kürzel AGLT. Damit ist erstmals ein US-Unternehmen an der Börse, das ausschließlich humanoide Roboter baut. Der Weg führte über die Fusion mit einer leeren Börsenhülle, einem sogenannten SPAC, und brachte rund 465 Millionen Dollar brutto, angeführt vom Elektronikfertiger Foxconn. Agilitys Roboter Digit arbeitet bereits beim Logistiker GXO, bei Toyota in Kanada und beim Zulieferer Schaeffler. Bei GXO in Georgia hat er mehr als 100.000 Transportkisten bewegt. Für das Nachfolgemodell Digit 5, das bis zu 50 Pfund (gut 22 Kilogramm) hebt, meldet Agility über 300 Millionen Dollar an Mehrjahresaufträgen, gebunden an vertragliche Meilensteine. Preise pro Roboter und Umsatz nennt das Unternehmen nicht. Mich stört das mehr als jede Börsenbewertung. Solange niemand sagt, was eine Roboterstunde kostet, lässt sich ein Einsatz im eigenen Lager nicht gegen eine Schicht mit Menschen rechnen. Allgemein verfügbar soll Digit 5 Ende 2027 sein.

Praxis

Der Patch-Takt für schnellere Angreifer Wenn Lücken schneller gefunden werden, muss auch schneller repariert werden. Ein fester Takt lässt sich in einem halben Tag festlegen. Erstens die Liste. Notiere alle Systeme, die vom Internet aus erreichbar sind, also Website, Shop, Kundenportal, Fernzugang und Mailserver. Sie bekommen die kürzesten Fristen, weil Angreifer sie ohne Umweg erreichen. Zweitens die Fristen. Sinnvoll ist eine Staffel nach Schwere. Kritische Lücken an Systemen von der Liste werden binnen 72 Stunden geschlossen, schwere binnen einer Woche, der Rest im Monatsrhythmus. Wer einen externen IT-Dienstleister hat, schreibt diese Fristen in den Vertrag. Drittens die Automatik. Browser wie Firefox, Chrome und Edge lassen sich zentral auf automatische Updates stellen, mit Neustart-Aufforderung nach spätestens einem Tag. Das ist der billigste Gewinn auf der Liste. Viertens der Probelauf. Schnelles Patchen scheitert oft an der Angst vor kaputten Abläufen. Ein Testrechner oder eine Kopie des Shops, auf der Updates einen Tag früher laufen, nimmt diese Angst. Wer dokumentiert, welcher Server wann aktualisiert wurde, kann bei der nächsten großen Lücke in einer Stunde sagen, ob er betroffen ist.

Kurz & quer

Google hat Gemini Omni 1.2 Flash freigegeben, ein Modell für kurze Videos. Clips dürfen jetzt 15 statt 10 Sekunden lang sein, die Sekunde in 720p kostet 0,07 Dollar und damit 30 Prozent weniger als beim Vorgänger. Ein 15-Sekunden-Produktclip kostet so rund einen Dollar, und Werbeclips für Shop und Social Media werden auch mit kleinem Marketingbudget machbar. (Quelle: The Decoder) OpenAI verspricht für eigene Rechenzentren mehr Offenheit gegenüber Gemeinden. Der Konzern will auf Verschwiegenheitsvereinbarungen mit Behörden verzichten, Strom- und Netzausbau selbst bezahlen und Baupläne, Lärmgutachten und Wasserverbrauch veröffentlichen. Anlagen von Partnern wie Oracle sind ausgenommen. OpenAI räumt selbst ein, dass sich eigene Projekte verzögern könnten, und wer fest mit wachsender Rechenkapazität plant, sollte das einpreisen. (Quelle: The Decoder) Broadcom hat im dritten Geschäftsquartal doppelt so viel TPU-Rechenleistung ausgeliefert wie im Vorquartal, umgerechnet knapp 2 Millionen Nvidia-H100-Chips, schätzt Epoch AI. TPUs sind Googles eigene KI-Chips, auch Anthropic nutzt sie. Ich sehe in mehr Auswahl bei KI-Chips eine der wenigen Kräfte, die Preise pro Token dauerhaft senken können. (Quelle: Epoch AI)

Quellen

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