KI & Mittelstand
Gemini 4 Carbon: Googles stärkstes Modell geht zuerst an die Cyberabwehr Google hat am 28. Oktober Gemini 4 Carbon vorgestellt, zwei Wochen nach dem Vorgänger Gemini 4 Argon. Im Intelligence Index von Artificial Analysis, einem unabhängigen Vergleichsdienst für KI-Modelle, steht Carbon mit 59 Punkten auf Platz 1. Seine Stärken sieht Google bei der IT-Sicherheit und bei langen Aufgaben über viele Arbeitsschritte. Im Test SEC-bench Pro, der das Aufspüren von Schwachstellen in Software misst, kommt Carbon auf 88,2 Prozent, beim Reparieren solcher Lücken im CWE-bench auf 71,0 Prozent. Bekommen haben das Modell vorerst nur ausgewählte Teams aus der Cyberabwehr. Über ein Partnerprogramm namens Fairwind kommen schrittweise weitere vertrauenswürdige Partner hinzu. Für Entwickler:innen, Unternehmen und Privatleute nennt Google kein Datum, man sammle erst Rückmeldungen und arbeite an den Schutzvorkehrungen. Die Preise stehen trotzdem schon fest. Zur Einführung kostet eine Million Token Eingabe 2 US-Dollar, eine Million Token Ausgabe 10 Dollar, so viel wie bei Argon. Token sind die Textbausteine, nach denen KI-Anbieter abrechnen. Nach der Einführungsphase verdoppeln sich die Preise auf 4 und 20 Dollar. Ich halte die Reihenfolge für richtig. Ein Modell, das Schwachstellen so zuverlässig findet, findet sie für Angreifer genauso, und die Verteidiger brauchen den Vorsprung. Für dich als Unternehmer:in heißt das auch, dass Lücken in Websites, Shops und Branchensoftware künftig schneller entdeckt werden, von beiden Seiten. Sicherheitsupdates zügig einzuspielen wird damit noch wichtiger, gerade bei Systemen, die ein Dienstleister vor Jahren aufgesetzt hat. KI & Mittelstand SAP hat am 26. Oktober zusammengetragen, welche KI-Funktionen seit Juli hinzugekommen sind. Vieles davon zielt auf Konzerne. Drei Punkte sind auch für kleinere SAP-Kunden interessant, allen voran Joule Studio. Joule ist der KI-Assistent in den SAP-Programmen, Joule Studio die Werkbank, in der Firmen eigene Agenten und Fähigkeiten für diesen Assistenten zusammenstellen. Der Agent Builder darin ist bis Dezember 2026 kostenlos, danach wird er zur kostenpflichtigen Premium-Funktion. Was er dann kostet, steht nicht in der Übersicht. Wer S/4HANA Cloud Public Edition nutzt, die Cloud-Fassung von SAPs Unternehmenssoftware, kann Stammdaten jetzt aus Dokumenten anlegen lassen. Lädt jemand eine Bestellung, ein Angebot oder eine Rechnung hoch, liest SAP Document AI Namen, Adressen, Bankverbindungen und Steuernummern heraus. Außerdem laufen Modelle des französischen Anbieters Mistral jetzt auf SAPs eigener Cloud-Infrastruktur, damit die Daten in einer vertrauenswürdigen Region verarbeitet werden. Eine vollständig souveräne Variante auf der SAP Sovereign Cloud ist für Anfang 2027 geplant. Die Gratisphase ist ein Köder, allerdings ein brauchbarer. Bis Dezember lässt sich ohne Lizenzrisiko prüfen, ob ein selbst gebauter Agent im eigenen SAP-System etwas taugt. Wer das versäumt, verhandelt im Januar über den Preis für etwas, das er nie ausprobiert hat.