KI & Mittelstand
Bei Anthropic leisten KI-Agenten inzwischen mehr Arbeitsstunden als die Menschen. Diese Schwelle hat das Unternehmen nach eigenen Daten im März 2026 überschritten. Das steht in einem Bericht, den das hauseigene Anthropic Institute am 16. Oktober veröffentlicht hat. Ausgewertet wurden Personal- und Nutzungsdaten, Befragungen der Belegschaft, Kalender und die Bewertungsbögen aus Bewerbungsgesprächen. Als Agentenzeit zählt dabei nur die Phase, in der das Modell rechnet oder Werkzeuge bedient, Wartezeiten über 30 Minuten fallen heraus. Die härteste Zahl betrifft den Nachwuchs. Unter den neu eingestellten Technik-Fachkräften ist der Anteil der Berufseinsteiger:innen von 27 auf 9 Prozent gefallen. Etwa ein Drittel der Führungskräfte im Bereich maschinelles Lernen gibt an, wegen KI weniger einzustellen. Gleichzeitig hat sich die Firma binnen eines Jahres verdreifacht, und die Code-Beiträge je Entwickler:in liegen beim Fünffachen des Werts von vor sechs Monaten. Den neuen Engpass benennt der Bericht offen. Die interaktiven Claude-Sitzungen stehen zu rund 80 Prozent still, weil sie auf einen Menschen warten. Die Zeit in Meetings ist im Mittel um 20 Prozent gestiegen. Anthropic verkauft KI und hat am Ergebnis ein Eigeninteresse, die Autor:innen warnen selbst davor, die Zahlen zu verallgemeinern. Ich lese den Bericht trotzdem als Vorschau auf das, was in vielen Betrieben kommt. Agenten sparen Ausführungszeit und kosten Aufmerksamkeit für Prüfung und Abstimmung. Wer heute keine Einsteiger:innen mehr ausbildet, hat in fünf Jahren niemanden, der die Agenten beaufsichtigen kann.