KI & Mittelstand
Meta bringt Muse Wonder und spielt bei den Spitzenmodellen mit Meta hat am 12. Oktober zwei neue KI-Modelle veröffentlicht, Muse Wonder und Muse Wonder Full. TechCrunch wertet das als ersten Versuch des Konzerns, ein Spitzenmodell zu bauen. Bisher hatte Meta mit Muse Spark vor allem ein leichtes, schnelles Modell im Angebot. Laut Metas eigenem Modellsteckbrief erreichen die neuen Modelle in Leistungstests ähnliche Werte wie Fable 5.1 von Anthropic und GPT-6 Astra von OpenAI. Unabhängig nachgemessen ist das noch nicht. Muse Wonder ist ab sofort über Metas Programmierschnittstelle buchbar und kostet 4 US-Dollar pro Million Token Eingabe und 20 Dollar pro Million Token Ausgabe. Token sind die Wortbausteine, nach denen KI-Anbieter abrechnen. TechCrunch ordnet den Preis auf dem Niveau von GPT-6 Sol und Claude Opus 5.5 ein. Die größere Variante Wonder Full gibt es nur im Abo des Programmierwerkzeugs Muse Code. Meta wirbt mit zwei Funktionen. Active Memory merkt sich, was einer Person wichtig ist, und holt es in späteren Gesprächen wieder hervor. Active Focus soll einen Agenten bei schwierigen Aufgaben dranbleiben lassen, andere Lösungswege probieren lassen und vor wichtigen Schritten eine Rückfrage auslösen. Den vollständigen Sicherheitsbericht hat Meta erst angekündigt, und ob das Modell in der EU per Schnittstelle buchbar ist, lassen die Ankündigungen offen. Ich würde Muse Wonder deshalb vorerst testen und noch nicht in Kundenprozesse einbauen. Für den Einkauf ist die Meldung trotzdem gut. Mit einem vierten großen Anbieter in der Spitzenklasse rechne ich damit, dass hohe Preise für Modelle dieser Liga schwerer zu halten sind. Für jede Milchpackung im Supermarkt gelten Sicherheitsregeln und Kontrollen, für KI deutlich weniger. Das hat Microsoft-Präsident Brad Smith der BBC gesagt, berichtet der Guardian am 12. Oktober. Smith nennt KI Werkzeug und Waffe zugleich und will sie dringend regulieren. KI-Systeme sollen einen Not-Aus bekommen, mit dem Menschen sie bremsen oder anhalten können, wenn sie außer Kontrolle geraten. Wessen System von einem fremden, aus dem Ruder gelaufenen Agenten geknackt wird, soll rechtliche Ansprüche bekommen. Neue Modelle sollen außerdem vor dem Start von externen Prüfern freigegeben werden, ergänzt TechCrunch. Freiwillige Zusagen, wie sie die großen Labore im September im Weißen Haus unterschrieben haben, reichen Smith nicht, weil sie nur Firmen binden, die sich ohnehin daran halten. Dass ausgerechnet ein Konzern, der selbst Agenten verkauft, schärfere Regeln verlangt, überrascht mich weniger, als es sollte. Prüfpflichten kann ein Konzern dieser Größe leicht bezahlen, kleinere Wettbewerber tun sich damit schwerer. In der EU ist ein Teil dieser Debatte bereits entschieden. Die KI-Verordnung (AI Act) behandelt KI in Bereichen wie Personalauswahl, Bildung oder kritischer Infrastruktur als Hochrisiko-Anwendung. Die Regeln dafür gelten nach der Übersicht der EU-Kommission ab dem 2. Dezember 2027. Einen Not-Aus für die eigenen Agenten kann jeder Betrieb schon heute einrichten, wie weiter unten in der Praxis beschrieben.