KI & Mittelstand
Mistral Large 4: eine Billion Parameter und bald offene Gewichte Mistral hat am 6. Oktober sein bisher größtes Modell vorgestellt. Large 4 hat eine Billion Parameter, das sind die Stellschrauben, die ein Modell im Training lernt. Bei jeder Anfrage arbeiten davon nur 49 Milliarden. Diese Bauweise heißt Mixture of Experts. Das Modell besteht aus vielen Spezialisten und weckt pro Aufgabe nur die passenden, was Rechenzeit spart. Trainiert wurde auf 3.800 Nvidia-Chips in Mistrals eigenen Rechenzentren in Europa. Zwei Dinge machen das für deutsche Betriebe interessant. Mistral betreibt eine europäische Instanz vollständig selbst, unabhängig von anderen Digitaldienstleistern und unter europäischem Recht. Und die Modellgewichte sollen bis Monatsende erscheinen, t3n nennt den 27. Oktober. Gewichte sind das trainierte Modell als Datei. Wer sie hat, kann das Modell in der eigenen Cloud oder im eigenen Rechenzentrum betreiben, und kein Prompt verlässt das Haus. Welche Hardware ein Modell dieser Größe braucht und unter welcher Lizenz die Gewichte erscheinen, steht in der Ankündigung nicht. Über die Programmierschnittstelle kostet Large 4 1,36 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 4,18 Dollar je Million Ausgabe-Token. Token sind die Wortbausteine, in denen KI-Anbieter abrechnen. Laut t3n kommt das Modell im Intelligence Index auf 38 Punkte und liegt damit auf dem Niveau von GPT-6 Luna, Claude Opus 5.5 erreicht mehr als 50. Luna kostet 0,10 Dollar für die Eingabe und 0,50 Dollar für die Ausgabe. Wer nur auf Preis und Leistung schaut, zahlt bei Mistral beim Eingabepreis fast das Vierzehnfache und beim Ausgabepreis gut das Achtfache. Den Aufpreis halte ich für vertretbar, wo Konstruktionsdaten oder Personalakten im Spiel sind, und für schwer zu rechtfertigen bei Massenarbeit ohne heikle Daten. Elektrobetriebe können Ausschreibungen neuerdings von einer KI vorkalkulieren lassen. Auf der Plattform Electrofy steht dafür ein Ausschreibungsassistent bereit, berichtet das Handwerksblatt am 2. Oktober. Der Betrieb lädt das Leistungsverzeichnis hoch, also die Liste aller verlangten Arbeiten, als PDF oder im Format GAEB, dem üblichen Austauschformat für Bauausschreibungen. Die KI gleicht jede Position mit der Kalkulationshilfe KFE ab, der Datensammlung der Elektrohandwerke mit mehr als 300.000 Leistungspositionen. Nach wenigen Minuten liegt eine Aufstellung vor, in der jede Position einzeln ausgewiesen ist. Sie lässt sich als PDF, als CSV-Tabelle oder wieder als GAEB-Datei exportieren. Betreiber ist die Münchner MDA Solutions GmbH, an der der Zentralverband der Elektrohandwerke (ZVEH) über eine Tochtergesellschaft beteiligt ist. Geschäftsführer Ludwig Klatzka sagt, früher habe ein Betrieb einen halben Tag für eine Ausschreibung gebraucht, jetzt seien es wenige Minuten. Das ist eine Angabe des Anbieters, eine unabhängige Messung nennt der Bericht nicht. Ich würde das Ergebnis als Rohkalkulation behandeln, die eine Meisterin oder ein Meister gegenliest. Den größeren Wert sehe ich in der Datenbank. Ein Verband besitzt 300.000 gepflegte Leistungspositionen, und ein Sprachmodell macht sie in Minuten nutzbar. Branchen ohne eine solche Sammlung können das Modell kaufen. Die Daten müssen sie selbst aufbauen.