KI & Mittelstand
Texte aus ChatGPT tragen in der EU bald ein unsichtbares Wasserzeichen. OpenAI hat am 5. Oktober angekündigt, die Technik in den kommenden Wochen für ChatGPT und das Programmierwerkzeug Codex in allen Tarifen einzuschalten. Der Konzern begründet das mit der KI-Verordnung der EU (AI Act). Seit dem 2. August müssen Anbieter dafür sorgen, dass KI-erzeugte Inhalte maschinell als solche erkennbar sind. Außerhalb der EU bleibt die Funktion abgeschaltet, Kunden der Programmierschnittstelle (API) können sie weltweit selbst aktivieren. Anthropic kennzeichnet Claude-Texte laut TechCrunch schon seit zwei Monaten, und zwar weltweit. Das Verfahren heißt textGrain und kommt ohne versteckte Zeichen aus. Ein Sprachmodell wählt jedes nächste Wort mit einer Portion Zufall aus mehreren Kandidaten. textGrain lenkt diesen Zufall mit einem geheimen Schlüssel, sodass im Text ein statistisches Muster entsteht, das ein Prüfprogramm mit demselben Schlüssel wiederfindet. Angaben zu Nutzer:in, Unternehmen oder Prompt stecken laut OpenAI nicht darin. Für Ausgaben unter 200 Token, das sind etwa 150 englische Wörter, verlangt der EU-Verhaltenskodex kein Wasserzeichen. Als Beweismittel taugt das Muster nur bedingt. Wer zehn Prozent der Wörter durch Synonyme ersetzt, drückt die Erkennungsrate in OpenAIs eigenen Tests von rund 92 auf 66 Prozent. Zwischen den EU-Amtssprachen schwankt sie von 69 Prozent im Spanischen bis 42,2 Prozent im Rumänischen, jeweils bei einem Prozent Fehlalarmen. Das Prüfprogramm bekommen vorerst nur zugelassene Forschungseinrichtungen. Ich rechne trotzdem damit, dass Auftraggeber und Vergabestellen früher oder später prüfen lassen. Wer Angebote oder Fachartikel mit ChatGPT schreibt, legt das im Zweifel besser selbst offen, bevor es ein Detektor tut.