KI & Mittelstand
Der teuerste Börsengang aller Zeiten steht bevor – und Nvidia will mit einsteigen
Reuters berichtete am Freitag exklusiv: Nvidia verhandelt darüber, bis zu 10 Milliarden US-Dollar als Ankerinvestor in den Börsengang von Anthropic zu stecken, dem Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude. Ein Ankerinvestor ist ein Großinvestor, der schon vor dem eigentlichen Börsenstart einen namhaften Anteil fest zusagt – das signalisiert anderen Anlegern Vertrauen. Anthropic selbst peilt beim Börsengang (dem erstmaligen Verkauf von Firmenanteilen an der Börse) einen Erlös von bis zu 100 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund 2 Billionen Dollar an – mehr als doppelt so viel wie die letzte Bewertung vom Frühjahr (965 Milliarden Dollar) und deutlich mehr, als SpaceX beim bislang größten Börsengang der Geschichte (86 Milliarden Dollar) einsammelte. Laut Bloomberg soll der Börsengang noch vor den US-Zwischenwahlen im November abgeschlossen sein.
Was die Bewertung stützt: Anthropics annualisierte Erlöse – der aktuelle Monatsumsatz hochgerechnet aufs Jahr – lagen im Juli bei rund 65 Milliarden Dollar, sechsmal so viel wie ein Jahr zuvor. Finanziert wird dieses Wachstum über gewaltige Rechenleistungs-Deals: 5 Gigawatt bei Amazon, weitere 5 Gigawatt an Google-TPU-Kapazität sowie Verträge mit Nscale (45 Milliarden Dollar) und Lambda (35 Milliarden Dollar) für zusätzliche Chip-Kapazität.
Für Unternehmer:innen zählt daran vor allem eines: Die beiden derzeit führenden KI-Anbieter für Business-Anwendungen, OpenAI und Anthropic, sitzen nach diesem Kapitalschub auf so viel Geld, dass beide sich in den kommenden Jahren kaum eine Verlangsamung bei Tempo, Funktionsumfang oder Preiskampf leisten können, ohne Marktanteile zu verlieren. Wer also gerade zögert, ob sich der Umstieg auf ein bestimmtes KI-Tool langfristig lohnt: Die Fluktuation bei Funktionen und Preisen dürfte eher zu- als abnehmen – ein Grund mehr, die eigene Anbindung an einzelne Anbieter so flexibel wie möglich zu halten.